Lieber Patient, liebe Patientin

zur Behandlung Ihrer Kiefergelenksbeschwerden oder auch deren Vermeidung ist eine sogenannte Schienenbehandlung geplant. Bitte lesen Sie nachfolgende Informationen sorgfältig durch.

Warum ist eine Aufbissschiene notwendig?

Muskelverspannungen der Kiefermuskulatur, unbewusste Bewegungen, Zungenpressen, auch das starke Aufeinanderpressen der Zähne (Zähneknirschen, -pressen) oder andere unbewusste Bewegungsgewohnheiten sind ein häufiger Grund für Kiefergelenkbeschwerden, Kopf- und Gesichtschmerzen. Der Kaudruck beim Pressen ist um ein Vielfaches höher als beim Kauen! Für das gesamte Kausystem stellt dies also eine enorme Belastung dar.

Man spricht hier von schädlichen Gewohnheiten, die in der Regel völlig unbewusst und unbemerkt ablaufen und den Zähnen, der Muskulatur und den Kiefergelenken in erheblichem Maße schaden können.

Welche Schäden werden verursacht?

Muskel und Gelenke

Durch die ständige Muskelüberlastung kommt es zur Veränderung der Muskelfasern, dadurch verhärtet sich der Muskel und eine krankhafte Veränderung zwischen dem Zusammenwirken der Muskel und Gelenken tritt ein. Gelenkentzündungen und die Schädigung des Bandapparates können die Folge sein. Außerdem kann es zur Veränderung der Position der Gelenkscheibe kommen, was sich wiederum zum Gelenkknacken bis hin zur eingeschränkten Mundöffnung führen kann. Eine bleibende Schädigung der Muskulatur, des Bandapparates und des Kiefergelenks kann nicht ausgeschlossen werden.

Zähne

Durch die große Krafteinwirkung beim Zähneknirschen und –pressen kommt es zu Schäden an den Zähnen. Durch den Abrieb kommt es zu so genannten Schliffflächen, die anfänglich an den Schneidekanten entstehen. Die Zahnkrone wird aber zunehmend kürzer. Es kann zum Rückzug des Zahnmarks in die Zahnwurzel kommen, im ungünstigsten Fall sogar zum Absterben. Durch den großen Druck beim Aufeinanderpressen der Zähne beim Knirschen und Pressen entstehen Defekte am Zahnhals. Zudem werden Schmelzrisse oder Brüche der Schneidekanten beobachtet. In seltenen Fällen kann ein ganzer Zahn abbrechen.

 

Zähneknirschen und –pressen durch Stress

Als Ursache oder Verstärkung von schädlichen Gewohnheiten wie Zähneknirschen und –pressen, Muskelanspannungen werden häufig Stress, Belastung, problematische Lebenslagen usw. beobachtet. In Entspannungsphasen stellt sich oft eine Erleichterung der Beschwerden ein bzw. verschwinden diese ganz. Beim erneuten Auftreten von Stress etc. können sich die Beschwerden wieder einstellen.

Verringerung von schädlichen Gewohnheiten

Zuerst müssen Situationen erkannt werden, in denen das Fehlverhalten auftritt. Ein Gefühl für die richtige Haltung des Ober- und Unterkiefers zueinander muss entstehen – die Ruheschwebe:

  • Schwebehaltung des Unterkiefers
  • entspannte Kaumuskulatur
  • keine Berührung der Zähne des Ober- und Unterkiefers (nur beim Schlucken und Kauen treffen die Zähne aufeinander)
  • die Zunge liegt am Gaumen

Wird ein Zusammenpressen oder –reiben der Zähne beobachtet, sollte man probieren, dieses Verhalten abzustellen. Desto öfter man sich selbst überprüft und die Gewohnheit berichtigt, desto eher wird sich ein Erfolg einstellen und das Verhalten ändert sich. Eine Aufbissschiene verhindert größere Schäden.

Tragen der Aufbissschiene, Kontrolle, Pflege und Aufbewahrung

Wann muss die Aufbissschiene getragen werden?

In der Regel wird die Aufbissschiene bei Nacht getragen. Abweichende Empfehlungen vom Zahnarzt sind aber zu beachten.

Kontrollen

Die Schiene muss regelmäßig überprüft werden. Gegebenfalls sind Einschleißmaßnahmen an den Zähnen oder Schiene notwendig. Eventuell müssen auch alte Füllungen oder Zahnersatz erneuert werden. Um einen Behandlungserfolg zu erzielen, empfiehlt es sich, die vorgeschlagene Therapie und die Kontrolltermine des Zahnarztes einzuhalten.

Reinigung der Schiene

Die Aufbissschiene wird mit Zahnpasta und Zahnbürste gründlich geputzt. Eine besonders gründliche Zahnreinigung der Zähne vorm täglichen Tragen ist besonders wichtig, da die natürliche Selbstreinigung an den von der Schiene bedeckten Zähnen durch den Speichel ausgeschlossen ist.

Aufbewahrung

Wird die Schiene nicht getragen, so sollte sie in einem feuchten Medium aufbewahrt werden, um ein Austrocknen des Kunststoffs zu verhindern.

Therapieunterstützende Maßnahmen

In manchen Fällen führt die alleinige Schienentherapie nicht zum Erfolg, zusätzliche Maßnahmen können je nach Behandlungsverlauf notwendig sein:

  • Kieferorthopädische Maßnahmen
  • Funktionsanalyse (FAL), Funktionstherapie
  • Krankengymnastik
  • Myofunktionelle Therapie
  • Zahnersatzbehandlung
  • Zahnfüllungen
  • parodontologische Behandlung

Wenn solche Maßnahmen notwendig sind, wird Sie Ihr Zahnarzt/ Zahnärztin über Art, Umfang und Kosten aufklären und beraten.

Therapieerfolg

Es gibt keine Garantie, dass die Schienenbehandlung und die darauffolgenden Behandlungsschritte zu einem vollständigen Erfolg führen werden. Dieses gilt besonders für Kiefergelenkgeräusche, denen Meist eine Verlagerung der Gelenkscheibe zugrunde liegt. Auch eine völlige Beschwerdefreiheit und das Wiedererlangen einer uneingeschränkten Unterkieferbeweglichkeit können nicht zugesichert werden.

Bei Abbruch der Schienenbehandlung treten die Beschwerden, die zuvor bestanden, meist wieder auf.

Erklärung des Patienten:

Ich bin über das Wesen der Schienenbehandlung in vollem Umfang aufgeklärt worden. Eine Kopie dieses Aufklärungsblattes habe ich erhalten.

Ihr Praxisteam